„Ihr zieht also Sonntag um?“, er ist noch ein letztes Mal bei mir.
Er nickt nur.
„Kümmerst du dich weiter um Lena? Ihr wird das absolut nicht leicht fallen.“
Ich schüttle den Kopf. Und ganz plötzlich zeichnen sich Adern auf dem billigen Laminat ab und auf der schmutzigen Tapete, sie überziehen die alte Kommode, meinen Schreibtisch und am Ende auch die Tür. Sie pumpen und pulsieren, ich wage es nicht, einen Fuß von meinem Bett auf den Boden zu setzen, aus Angst, sie könnten durch mein Gewicht platzen. Alles wird plötzlich lebendig und organisch, alles wird wild und rankt und lässt sich nicht mehr kontrollieren. Ich glühe, fühle mich wulstig. Er thront erhaben auf dem Sessel im Eck, putzt sein Gefieder und klappert mit seinem Schnabel. Und wer kümmert sich um mich?
„Wie ein Kuckuck“, denke ich, „legt sein Herz einfach in fremde Nester.“
Hier das ganze als PDF.
Montag, 23. Juli 2012
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Was mich interessieren würde: stand der letzte Satz bereits am Anfang fest? Wann ist er aufgetaucht?
AntwortenLöschenDen letzten Teil hab ich zuerst geschrieben, damals sollte das noch ein für sich stehender Mini-Text sein. Ich fand eben diesen Kuckuck-Aspekt ganz spannend und hab mir überlegt, wie man das auf eine menschliche Persönlichkeit beziehen kann. Ich weiß gar nicht mehr genau, ob der Text damals genau so war, ich hab immer wieder an dem letzten Teil rumgeschrieben, weil ich nie so ganz zufrieden war, deshalb weiß ich nicht mehr genau, wann der letzte Satz entstand, aber er war schon ziemlich am Anfang da, glaube ich. Irgendwann hab ich mich dann erst entschlossen, die einzelnen Teile dazu zu schreiben.
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