Sonntag, 15. Juli 2012

Und verarscht!

Was haltet ihr denn von "performativen Installationen"? Mitmachen bleibt im Gedächtnis erstmal, das ist mir bei der Sommerausstellung der Kunstakademie Karlsruhe wieder aufgefallen. Aber ansonsten, wie viel bleibt übrig, wenn man mal davon absieht?
Oder wird dieser "Trend" vielleicht einfach diesem Selbstdarstellungszwang der heutigen Gesellschaft gerecht?
Was habe ich erst neulich für eine Klausur gelernt? "I am", Seinsebene. "I represent", Schauspieler/ Künstler, um ihren Aktionsraum zu vergrößern. "I performe myself", Rolle und Seinsebene fallen zusammen.

Zybok, Oliver: "Redefreiheit. Zwischen euphorischer Illusion und eskapistischer Enttäuschung. Redefreiheit im Spiegel performativer Installationen." Aus KUNSTFORUM international Band 215 zum Thema Redefreiheit. Hier: Seite 68. 

Groß anschauen könnt ihrs, wenn ihr einfach die Grafikadresse in einem neuen Tab öffnet und dann eben die Lupe.

Kommentare:

  1. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

    AntwortenLöschen
  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

    AntwortenLöschen
  3. hm, zufällig (oder weil einige Dinge zusammenkamen; zufällig eher nicht, allerdings) befass(t)e ich mich mit ähnlichen Fragestellungen, nur dann doch eher von der komplett anderen Seite her gedacht; (meine Ausrichtung, wissenschaftlich, ist auch eine dann doch andere.
    Ich denke nun mal ein bisschen laut, das ist nicht ausartikuliert, oder ein abgeschlossener Gedankengang;

    Also ein bisschen klingt hier so eine Kulturwertung mit an; ist das dann die Frage nach Kunst, bzw eben 'guter Kunst'? (Weil ich mich mit dem 'Kunstbegriff' enorm schwer tue; ich meine, ich bin verdammt froh, ihn einfach nicht in diesem Sinne, als wissenschafltichen Gegenstand, zu brauchen; aber ich komme nicht umhin, ihn irgendwie zu umkreisen; am Ende fällt mir immer wieder ein, dass ich Goodman mit seiner Verschiebung der Frage hin zu "Wann ist Kunst?" vor ein paar Jahren enorm gut fand (auch wenn wir damals das Problem ganz woanderes hin verlagerten...).

    performative Installation; das ist aber auch ein enorm weit gefasster Begriff, so. und generell kann ich wirklich keine allgemeine Wertung dessen vornehmen. Und dann, im Text, also dem gescannten, da geht es ja erstmal um Partizipation; und performativ ist ja dann die Skulptur an sich; in ihrer Benutzung; aber es gibt keinen Performer, auf welchen "I perform myself" zutreffen könnte, deswegen verstehe ich hier den Konnex nicht. Also mit der 'Selbstdarstellung', an diesem Punkt, auch. Natürlich kann ich überhaupt nichts sagen zu eventuell als Vehikel dafür dienende 'performativen Installationen' bei der Ausstellung in Karlsruhe, da ich da nicht war...

    Aber generell würde ich mich auch schwer damit tun, das als 'Trend' zu bezeichnen, denn neu ist das ja bei weitem nicht...

    AntwortenLöschen
  4. Der Trend hin zur performativen Gesellschaft aber schon (Abgesehen davon müssen Trends ja auch nicht neu sein, die können auch immer wieder aufgewärmt werden, wie beispielsweise auch in der Mode). Und eben um diesen größeren Zusammenhang ging es hier. "I perform myself" dann eben nicht konkret bei dieser Skulptur, sondern auch in diesem weiteren Zusammenhang der perfomativen Gesellschaft, in der eben beide Aspekte vertreten sind - "i performe myself" und die performative Installation. Ich hab eben jetzt auch speziell diesen Teil des Artikels gewählt, weil der mir noch am einprägsamsten war, den ganzen Artikel wollte ich hier nicht zeigen wegen Rechten usw, das ist ja so glaube ich schon grenzwertig.
    Ich wollte das Thema eben einfach mal zur Diskussion stellen, da ich mir mit Performances beispielsweise allgemein auch sehr schwer tue.
    Und zur performativen Skulptur: Ja, doch, das ist eine Performance, weil der partizipierende Betrachter dabei mehr oder weniger bewusst/unbewusst und freiwillig/unfreiwillig zum Performer wird, ohne ihn funktioniert das alles doch gar nicht. Im Text war da beispielsweise von Jeppe Heins "moving bench"es die Rede, also kleine Bänke, die einfach durch die Gegend fahren, sobald sich ein Besucher auf sie setzt, ohne dass dieser die Bewegung steuern könnte. D.h. eben in diesem Beispiel unfreiwilliger Performer.

    AntwortenLöschen
  5. Achso, und ob das Kunst ist, das soll glaube hier weder von mir noch von Oliver Zybok in Frage gestellt werden, der Text hat sich thematisch auch eher mit Redefreiheit und inwiefern performative/ partizipative Installationen diese wiederspiegeln zu tun.

    AntwortenLöschen
  6. Auf die 'Kunst'-Frage kam ich wegen deiner Frage im obigen Text, was übrig bleibe, bei der performativen Installation, vom Mitmach-Aspekt abgesehen; deswegen klang das an für mich; Und sowohl dein Text als auch Zybok verweisen auf die KUNSTausstellung als Kontext der 'performativen Installation', weswegen ich die Frage nach dem Kunstcharakter prinzipiell völlig legitim finde, ich wollte dann nur darauf hinaus, dass ich selbst da gerade Probleme mit dem Begriff habe; (In diversen Kontexten, u.a. klingt es aufgrund der 'Kino-Debatte' auch in meiner Abschlussarbeit an, welche ich momentan schreibe...; die letzte Woche war ich bei einem Kongress von Kunsthistorikern, arbeiten, aber natürlich bekommt man auch was von so einer Konferenz mit, wenn man da ist, und ich bin, wie erwähnt, fachlich zunächst anders verortet, aber es gibt dann doch wieder Schnittmengen, zumindest in den Gegenstandsbereichen, und ich fand die doch sehr unterschiedlichen Herangehensweisen auch spannend, bzw. eben, dass es da solche Unterschiede gab; aber das sind ja alles Kontexte, die mit deinem Text und dem gescannten erstmal gar nichts zu tun haben)

    bei der 'performativen Gesellschaft' würde ich dir glaube ich auf jeden Fall zustimmen, dass es immer mehr in diese Richtung geht. Oder zumindest, dass es im 'Internet-Zeitalter' (bzw. 'Web-2.0-Zeitalter', oder so...) immer sichtbarer wird, das allgemeine Performen...

    Kannst du es festmachen, an irgendwas, warum du dich schwertust mit Performances? Wobei es ja auch wieder darauf ankommt, was man darunter versteht, ob man den eingedeutschten Performance-Begriff zugrunde legt, der irgendwie so einen unangenehm-anbiedernden Unterton eines universell umhergeschmissenen Modeworts hat, also v.a. wenn man den wissenschaftlichen Rahmen da mal verlässt; oder ob man das englische 'performance' hernimmt, was ja aber doch auch noch allgemeiner ist; aber vielleicht ist das ja auch wieder ein bisschen zu dolles Begriffsrumreiterei meinerseits, da bin ich sehr anfällig für; und gerade mit 'Theorien des Performativen' hab ich mich so extrem intensiv beschäftigt, dass ich da immer aufhorche, wenn es 'so in den Raum geworfen wird'.

    die 'Recovery of Discovery'-Skulptur würde ich eben eher selbst in ihrer Veränderung als Performance beschreiben, bzw. ist eben diese Veränderung, die sie erlebte im Verlauf ihrer Zugänglichkeit, ihre Performanz, welche auf der Bedeutungsebene dann eben diese Kritik an der Zerstörung von Monumenten darstellt; der Besucher wird durch seine Teilhabe natürlich Teil dieser Performance; vielleicht kann man ihn schon als Performer bezeichnen; aber ohne ihn funktioniert das schon auch; bzw. wäre es dann eben anders, man könnte nicht mehr die kritische Metaebene so setzen, wie es durch seine Teilhabe gesetzt wird; aber dennoch wäre eine Verweigerung der Teilhabe - gerade unter Einbezug der dezidierten Aufforderung, man solle die Skulptur besteigen und das Bier trinken - auch performativ, ich glaube, eine solche Verweigerung wäre meiner Ansicht nach sogar performativer, denn das 'Mitmachen' ist ja das, was explizit gefordert wird (also eine bewusste Verweigerung, nicht eine 'kein Bock'-Haltung o.ä.).

    AntwortenLöschen
  7. Was ist denn dein Fachbereich, wenn ich fragen darf? Ich mach ja Kunstgeschichte, aber eben erst im 2. Semester und gerade hier auf dem Blog will ich das mit diesem wissenschaftlichen Arbeiten nicht so ernst nehmen, da gehts mir eher darum, mich mal so umzuhorchen, was andere so meinen.

    Und ja, man landet früher oder später immer beim Rumdefinieren von Begriff, weil ich würde mich jetzt beispielsweise wieder fragen, ob Verweigerung von Handlung nicht auch eine Handlung ist, also zumindest ebenso eine Reaktion auf die Installation dann. Da dann von einem Performer zu sprechen wird schwierig, das sehe ich ein, aber trotzdem würde ich nicht sagen, dass so eine Verweigerung zeigen würde, dass die Installation auch ohne den Betrachter funktioniert, weil eben gerade dieser Aspekten der Verweigerung auch nur mit einem Betrachter, der verweigert, funktionieren kann. Wobei du das ja irgendwie auch implizit mit drin hattest.

    Vielleicht habe ich bisher auch zu wenig Performances gesehen. Ich war eben in der "Moments"-Ausstellung im ZKM und bei der Finissage dieser Ausstellung und abgesehen davon, dass das ZKM allgemein sehr wenig dazu beiträgt, dem Besucher Werke näher zu bringen, konnte ich einfach wenig damit anfangen. Was ich gesehen habe war plakativ oder merkwürdiges Rumgezappel. Ich habe das Gefühl, dass ein paar Performances vielleicht tatsächlich Sinn machen - aber nur als Teilhabender und weniger als Betrachter. Ich hab sicherlich erfahrungsmäßig mehr davon, seltsam rumzutanzen und ganz genau auf meine Bewegungen zu achten, wie sich das anfühlt, auf einzelne Muskeln zu achten usw. als eben solchen Tanzenden zuzusehen, das entbehrt für mich jeglichen Sinns.

    AntwortenLöschen
  8. Bei deinem zweiten Absatz/ meinem letzten Absatz in meinem vorherigen Kommentar, da wollte ich ja genau dasrauf hinaus, dass ich den Betrachter im Falle der bewussten Verweigerung eher als Performer bezeichnen würde als den Betrachter, der 'einfach so' den Anweisungen folgt und dann aber mitmacht, wobei die Skulptur durch das Mitmachen zu der Performance wird, die laut Zybok intendiert war; ich rieb mich nur allgemein an der 'Performer'-Zuschreibung an den Betrachter... Ganz ohne den Betrachter würde es sicherlich nicht funktionieren; es braucht wohl immer eine gewisse Wechselwirkung. Aber ja, die würde auch entstehen mit einem verweigernden Betrachter. (Bzw., aber das ist schwer so nur anhand des Textes zu mutmaßen, aber dennoch; ich frage mich etwas, inwieweit bei der Inanspruchnahme der Skulptur durch den Betrachter eine Wechselwirkung eintritt; ob er sich danach dann die Frage stellt, was seine Teilhabe an der Skulptur aussagt, oder ob das vielmehr nur der Beobachter 'von außen', wie etwa Zybok als Verfasser seines Textes, unter diesem Aspekt betrachtet...; wobei das dann wieder ganz gut anschließbar wäre an deine ursprüngliche Frage, was bleibe, von so einer performativen Installation, in dem Fall dann die Frage, ob etwas bleibt beim teilhabenden Betrachter, das über "als ich einmal in der Kunstausstellung Freibier trank" hinaus geht...)

    Ich glaube, der Kontext ist dann bei einer Performance doch auch sehr wichtig; ich selbst kann mich tatsächlich gar nicht erinnern, an dezidiert performativen 'Kunst'objekten teilgehabt zu haben, wobei man ja andererseits auch bei den begehbaren Tinguely-Skulpturen auch schon wieder von einem performativen Aspekt sprechen könnte;
    und bei Abramovics "the artist is present", da ja sowieso; das sah ich nicht 'live', natürlich; Generell sah ich Performances viel mehr in theatralen Kontexten, bzw. denke ich, dass ich es selbst auch einfach immer eher in diesen theatralen Rahmen setzte, wenn ich es sehe, und deswegen ist das dann vielleicht auch wieder ein anderer Blickwinkel.

    Zu deiner anderen Frage schreibe ich dir gleich noch eine E-Mail.

    AntwortenLöschen
  9. Was im ersten Absatz in der Klammer steht: Ja, da würd ich so meine Unterschrift drunter setzen.

    Ich war eben auch in der Sommerloch-Ausstellung, wo zwei Studenten so eine Farben-Rumschmier-Performance gemacht haben, ich hatte sie schonmal mit anderem in der Moments-Ausstellung gesehn und ich stehe da und überlege mir, was es da für einen Kontext geben könnte, ich glaube teilweise wird das auch einfach ideologisch überhöht.

    AntwortenLöschen

Hier könnt ihr mir einen Kommentar zu diesem Post schreiben. Ich freue mich sehr über Fragen, Anregungen und auch Kritik.